Pomp made in Bayern: Das markgräfliche Opernhaus in Bayreuth

Richard Wagner wählte im Jahr 1871 Bayreuth als den Ort seiner Festspiele aus. Aber das Markgräfliche Opernhaus – in Rekordzeit zwischen 1744 und 1750 erbaut und damals mit der größten Bühne Deutschlands ausgestattet – war ihm zu klein und zu pompös. Er hatte ja so seinen eigenen Kopf und liess sich lieber ein paar Ecken weiter sein eigenes Festspielhaus bauen. So hat Bayreuth nun zwei.

Auf unserer Radtour durch Bayern schaute ich mir beide Häuser an. Das Markgräfliche Opernhaus hat mich besonders beeindruckt: Es ist das besterhaltene Beispiel eines freistehenden barocken Hoftheaters. Vorbild waren die damals größten Opernhäuser der Zeit in Wien und Dresden – auch wenn es auf mich gar nicht sooo gross wirkt. Eine für damalige Verhältnisse äußerst anspruchsvolle Dachkonstruktion – die größte ihrer Art – war neben dem tollen Erhaltungszustand ein Hauptgrund, warum dieses Gebäude als einzigartiges Monument der Fest- und Musikkultur seit 2012 ein UNESCO Weltkulturerbe ist.

Als Kontrast zu Pomp und Barock gibt es hier auch ein modernes Museum mit zahlreichen interaktiven Stationen. So kann man an einer Station die aufwendige Bühnenmechanik im Modell nachspielen und an einer anderen an kleinen silbernen Behälter schnüffeln: Dort erhält man eine Ahnung welche Duft-Mischung damals im Opernhaus in der Luft gelegen haben muss. Von Tabak über Parfüm und Orangen (damals der favorisierte Pausensnack) bis hin zum Riechsalz, wenn man Zartbesaitete aus der Ohnmacht zurückholen wollte.